IP-Schutzarten für HMI-Bedienelemente.
Häufig gestellte Fragen.
Fachwissen.
Sicher bedienen – auch bei Staub, Wasser und Hochdruckreinigung
Ob Maschinenbau, Lebensmittelindustrie, Nutzfahrzeug oder Bahnanwendung: Bedienelemente müssen zur Umgebung passen. Die IP-Schutzart zeigt, wie gut ein HMI gegen das Eindringen von Fremdkörpern und Wasser geschützt ist. EAO bietet HMI-Bedienelemente für unterschiedliche Einsatzbedingungen. Von der frontseitigen Abdichtung im Maschinenbau bis zur Kapselung für Nassbereiche und Fahrzeugreinigung. Die Schutzart hängt von Baureihe, Ausführung und Anschlussart ab.
IP-Schutzart einfach erklärt
Die IP-Schutzart zeigt, gegen welche Belastungen ein Gehäuse geschützt ist. Sie hilft dabei, ein Bedienelement für die richtige Einsatzumgebung auszuwählen. Die IP-Kennzeichnung besteht aus zwei Ziffern. Die erste beschreibt den Schutz gegen Berührung und Fremdkörper wie Staub. Die zweite Ziffer beschreibt den Schutz gegen Wasser und Feuchtigkeit. Ein «X» bedeutet, dass die Eigenschaft nicht geprüft wurde. IEC 60529, in Deutschland übernommen als DIN EN 60529, regelt die Schutzart. Für Strassenfahrzeuge ergänzt ISO 20653 die Anforderungen um eigene Codes wie IP6K7 und IP6K9K.
IP65, IP67 oder IP69K?
Schutzart | Schutz gegen | Typischer Einsatz |
IP65 | Staub und Strahlwasser aus allen Richtungen | Maschinenbau, Aussenbereich |
IP67 | Zeitweiliges Untertauchen bis 1 m Tiefe für 30 Minuten | Nassbereiche, geschützte Einbausituationen |
IP69K | Hochdruck- und Hochtemperaturwasser aus kurzem Abstand | Lebensmittelindustrie, Reinigungsanlagen |
IP6K7 | Staubschutz nach verschärfter Fahrzeugprüfung, kombiniert mit Untertauchschutz wie IP67 | Nutzfahrzeuge |
IP6K9K | Hochdruck- und Heisswasserreinigung nach ISO 20653 | Fahrzeugwaschanlagen, Spezialfahrzeuge |
Wichtig: IP67 schliesst IP65 nicht automatisch ein. Untertauchen und Strahlwasser sind unterschiedliche Prüfungen. Gelten beide Anforderungen, verlangen Sie eine Doppelkennzeichnung wie IP65/IP67 oder IP66/IP67.
Welche Schutzart passt?
Maschinenbau
Für trockene Industrieumgebungen genügt je nach Einbausituation eine frontseitige Abdichtung nach IP54 oder IP65. Die Rückseite bleibt für Verkabelung und Service zugänglich.
Aussenbereich
Für Bedienelemente im geschützten Aussenbereich ist IP65 ein typischer Mindestwert. Das Gehäuse ist staubdicht und gegen Strahlwasser aus allen Richtungen geschützt.
Nutzfahrzeuge
Bei Fahrzeugen mit intensiver Reinigung sind IP6K7 und IP6K9K nach ISO 20653 besonders wichtig. Diese Prüfungen verlangen höhere Drücke und kleinere Abstände zur Wasserquelle als die Standardprüfungen nach IEC 60529.
Lebensmittelindustrie
Bei regelmässiger Hochdruckreinigung reicht eine reine Frontabdichtung meist nicht. Je nach Reinigungsprozess kommen IP67 oder IP69K infrage. Weitere Kriterien sind Gehäuse, Rückseite und Steckverbinder.
Frontseitige Abdichtung oder Vollkapselung?
Ein HMI ist nicht in jedem Fall rundum so geschützt, wie es die Frontkennzeichnung vermuten lässt. Viele Bedienelemente erreichen ihre hohe IP-Schutzart nur auf der Frontseite. Rückseite und Steckverbinder weisen oft einen geringeren Schutzgrad auf. Für Tauchanwendungen und Hochdruckreinigung braucht es eine volle Kapselung. Doch ein engerer Gehäuseabschluss erschwert die Wärmeableitung. Bei beleuchteten Tasten, Keypads und anderen elektronischen Bedienelementen zählt die thermische Auslegung zur Produktwahl. Auch der Steckverbinder muss für die nötige Schutzart geeignet und geprüft sein.
EAO denkt Schutz als System
EAO betrachtet die IP-Schutzart mit Blick aufs ganze System. Frontrahmen und Dichtung müssen so gut harmonieren wie Gehäuse und Einbauöffnung, Bedienelement und Elektronik, Steckverbinder und Anschlusskonzept. EAO bietet HMI Lösungen, die auf diverse Einsatzumgebungen abgestimmt sind. Für Maschinen, Nutzfahrzeuge, Bahnanwendungen und Nassbereiche.
Welche Schutzart benötigen Sie?
- Staub und gelegentliches Spritzwasser: IP54 oder IP65.
- Strahlwasser aus verschiedenen Richtungen: IP65 oder IP66.
- Zeitweiliges Untertauchen: IP67.
- Hochdruck- und Heisswasserreinigung: IP69K beziehungsweise bei Fahrzeuganwendungen IP6K9K.
- Mehrere Belastungen: kombinierte Kennzeichnung prüfen.
Sie suchen ein HMI für eine bestimmte IP-Anforderung?
Vergleichen Sie passende EAO-Bedienelemente im Produktkonfigurator oder laden Sie die technischen Daten der jeweiligen Baureihe herunter.
Disclaimer: Dieser Text basiert auf 80 Jahren Erfahrung von EAO und soll Ihnen helfen, das passende Produkt für Ihre Applikation zu finden. Verstehen Sie es als Orientierung, nicht als verbindliche Empfehlung. Massgebend sind immer die geltenden Normen und Vorschriften.
Häufig gestellte Fragen.
Was bedeutet die IP-Schutzart?
Die IP-Schutzart bezeichnet nach IEC 60529 den genormten Schutzgrad eines Gehäuses gegen das Eindringen von Fremdkörpern und Feuchtigkeit. Zwei Ziffern beschreiben Staub- und Wasserschutz getrennt. Der Buchstabe «X» steht für eine nicht geprüfte Eigenschaft.
Was bedeutet die erste Ziffer der IP-Schutzart?
Die erste Ziffer beschreibt den Schutz gegen feste Fremdkörper und Berührung.
Ziffer | Bedeutung |
0 | Kein Schutz |
1 | Schutz gegen Fremdkörper über 50 mm |
2 | Schutz gegen Fremdkörper über 12,5 mm |
3 | Schutz gegen Fremdkörper über 2,5 mm |
4 | Schutz gegen Fremdkörper über 1 mm |
5 | Staubgeschützt |
6 | Staubdicht |
Was bedeutet die zweite Ziffer der IP-Schutzart?
Die zweite Ziffer beschreibt den Schutz gegen Feuchtigkeit.
Ziffer | Bedeutung |
0 | Kein Schutz |
4 | Schutz gegen Spritzwasser aus allen Richtungen |
5 | Schutz gegen Strahlwasser aus jeder Richtung |
6 | Schutz gegen starkes Strahlwasser aus jeder Richtung |
7 | Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen, bis 1 m Tiefe, 30 Minuten |
9 | Schutz gegen Hochdruck- und Hochtemperaturwasser aus kurzem Abstand |
Was ist der Unterschied zwischen IP65, IP67 und IP69K?
IP65 schützt gegen Strahlwasser aus jeder Richtung. IP67 schützt gegen zeitweiliges Untertauchen bis 1 Meter Tiefe für 30 Minuten. IP69K schützt gegen Hochdruckwasser bis 100 bar bei 80 °C aus kurzem Abstand. Die drei Prüfungen bauen nicht aufeinander auf, jede prüft ein eigenes Szenario.
Schliesst IP67 den Schutz nach IP65 ein?
Nein. IEC 60529 behandelt Strahlwasser (Ziffer 5 und 6) und Untertauchen (Ziffer 7 und 8) als getrennte Prüfungen. Ein Gehäuse mit IP67 gilt ohne zusätzliche Prüfung nicht automatisch als strahlwassergeschützt. Wer beide Eigenschaften braucht, verlangt eine Doppelkennzeichnung wie IP65/IP67.
Worin unterscheiden sich IP67 und IP69K von IP6K7 und IP6K9K?
IP67 und die Hochdruckwasser-Ziffer 9 gelten nach IEC 60529. Der Buchstabe K stammt aus ISO 20653, früher DIN 40050-9, der Prüfnorm für Strassenfahrzeuge. IP6K7 und IP6K9K verlangen härtere Prüfbedingungen mit höherem Druck und engerem Prüfabstand, wie sie bei Fahrzeugreinigungsanlagen vorkommen.
Welche IP-Schutzart eignet sich für Lebensmittelbetriebe?
Lebensmittelbetriebe reinigen ihre Anlagen meist mit heissem Hochdruckwasser. Frontseitige IP65-Abdichtung reicht dafür nicht. Bei Hochdruck- und Heisswasserreinigung ist in der Regel eine dafür geeignete Hochdruck-Schutzart erforderlich, beispielsweise IP69K. IP67 beschreibt dagegen primär den Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen. Welche Kennzeichnung erforderlich ist, hängt vom konkreten Reinigungsprozess und vom vollständigen Einbausystem ab.
Warum ist ein höherer IP-Code nicht immer die beste Wahl?
Was ist der Unterschied zwischen der IP-Schutzart und einer NEMA-Type?
Die IP-Schutzart nach IEC 60529 beschreibt, wie gut ein Gehäuse gegen Staub und Wasser schützt. Die NEMA-Type nach NEMA 250 prüft zusätzliche Eigenschaften, die IP nicht kennt: Korrosionsbeständigkeit, Vereisung, mechanische Robustheit. In Nordamerika verlangen Vorschriften wie der National Electrical Code deshalb häufig eine NEMA-Type-Angabe statt einer IP-Kennzeichnung.
Was bedeutet UL 50E für HMI-Bedienelemente?
UL 50E ist die amerikanische Prüf- und Zertifizierungsnorm für elektrische Gehäuse, herausgegeben von Underwriters Laboratories. Sie regelt, unter welchen Bedingungen ein Gehäuse eine bestimmte NEMA-Type tragen darf. Für den US-Markt übernimmt UL 50E damit die Funktion, die IEC 60529 in Europa hat, arbeitet aber mit eigenen Prüfwerten für Druck und Wassermenge.
Entspricht eine IP-Schutzart automatisch einer NEMA-Type?
Nein. IP und NEMA prüfen mit unterschiedlichen Verfahren, ein Vergleich bleibt eine Annäherung. NEMA veröffentlicht selbst eine Übersicht, welche NEMA-Type mindestens welche IP-Schutzart erfüllt. Die Gegenrichtung gilt nicht: Ein IP-geprüftes Gehäuse trägt dadurch noch keine NEMA-Zulassung.
Warum reicht eine IP-Kennzeichnung für den US-Markt oft nicht?
Amerikanische Vorschriften wie der National Electrical Code verlangen eine geprüfte NEMA-Type, aber keine IP-Schutzart. Ein Gehäuse kann technisch vergleichbar dicht sein, ohne UL-Zertifizierung fehlt für den US-Einbau trotzdem der geforderte Nachweis. Hier liegt die Beurteilung und die Nachweiserbringung für einen Einsatz eines HMIs beim Kunden. Es empfiehlt sich, bei Unklarheiten Tests unter den erwarteten Bedingungen durchzuführen.
Gibt es für Hochdruck- und Heisswasserreinigung eine NEMA-Entsprechung zu IP69K?
Eine klare Entsprechung fehlt. NEMA 4X deckt Abspritzen ab, nicht aber die Kombination aus Hochdruck und hoher Wassertemperatur, wie sie IP69K prüft. Für Anwendungen mit Hochdruckreinigung braucht es deshalb eine gesonderte Abklärung, welche Prüfung tatsächlich gefordert ist.
Kontakt.
Global tätig – mit lokalen Ansprechpartnern.
Haben Sie Fragen zu EAO, zu unseren Produkten und Lösungen? Wir sind gerne für Sie da. Denn Kundennähe und Service sind für uns der Schlüssel zum Erfolg.